Menschen mit psychischen Herausforderungen begleiten

Karsten Schröder
Es gibt Zeiten und Phasen, in denen einem alles zu viel wird. Am Standort Frankfurt wurde von Karsten Schröder ein Konzept entwickelt, wie Therapielotsen Menschen bei psychischen Herausforderungen begleiten und unterstützen können. Karsten ist Ergotherapeut und Referent für die Therapie von Menschen mit psychischen Herausforderungen. Derzeit ist er in der Ausbildung zum systemischen Supervisor und Coach. Wir waren mit Karsten dazu im Gespräch:

Lieber Karsten, wie kam es dazu, dass du dich gern in deiner therapeutischen Tätigkeit auf Menschen mit psychischen Herausforderungen konzentrieren wolltest?
In meiner therapeutischen Tätigkeit konnte ich viele Erfahrungen mit verschiedenen Settings im psychiatrischen Bereich sammeln. Dabei bemerkte ich immer wieder, dass diese Settings nie ausreichend alltagsorientiert waren. Innerhalb der Settings konnte es möglicherweise Lerneffekte geben, aber dieser Lerneffekt konnte oft nicht in den Alltag der Menschen ausreichend übertragen werden
In mir keimte da der Wunsch nach einem Paradigmenwechsel auf. Ich überlegte, wie würde ich es gern machen? So probierte ich Dinge aus und machte dann auch bei mentor Fortbildungen unter der Leitung von Benigna Brandt für den Fachtherapeuten für Psychiatrie. Dort kamen mir viele Ideen. Mir war und ist es immer wichtig, mit den Menschen gemeinsam im Gespräch Alltagsprobleme zu beleuchten und mit ihnen gemeinsam Strategien zu entwickeln. Der Mensch ist dabei der Experte für sich und nicht der Therapeut ist der Experte für diesen Menschen.
Einige meiner Ideen probierte ich in meiner alten Praxis aus, aber erst hier bei den Therapielotsen wurde daraus eine klare Form und ich verschriftlichte dieses Konzept.
Sprichst du eher von psychischen oder psychiatrischen Herausforderungen bei Menschen und warum?
Das kommt ehrlich gesagt ganz darauf an. Grundsätzlich spreche ich eher von psychischen Herausforderungen. Denn dabei steht der Mensch und nicht die Diagnose im Vordergrund und das betrifft dann ganz klar den Alltag des Menschen.
Aber ebenso spreche ich von psychiatrischen Herausforderungen. Da steht eher die Frage im Mittelpunkt, was macht die Diagnose mit dem Menschen und somit auch mit seinem Alltag. Denn je besser ich meine Diagnose kenne, desto besser kann ich lernen, damit umzugehen.
Woran bist du in den letzten Monaten gewachsen?
Am Anfang war es schwer. Es gab eine klare Idee, allerdings gelang zunächst die Umsetzung nicht so schnell, wie ich es mir gewünscht hätte, da das Verständnis dafür erst bei den Ärzten entwickelt werden musste. Am Anfang musste ich viele Klinken putzen.
Die Therapien mussten angefangen werden und erst wenn die Patienten wieder bei ihren Ärzten waren, entwickelte sich ein Verständnis. Ich brauchte sehr viel Geduld. Und leider ging es nicht so schnell, wie erhofft.
In der Zeit erhielt ich viel Unterstützung von Kati und Jutta, die den Raum gegeben haben, dass es sich in Ruhe entwickeln konnte. Gleichzeitig bekam ich Unterstützung vom Standort Team in Frankfurt, die mich offen aufgenommen haben und schnell verstanden haben, welche Möglichkeiten das Konzept bieten kann. Dazu kam dann der Austausch mit den anderen Therapeuten, die anfingen, in dem Bereich zu arbeiten. Ich brauchte auch Geduld gegenüber den anderen Therapeuten. Ich weiß, es sind immer Unsicherheiten da. Ich lernte, mit diesen Unsicherheiten umzugehen. In meinen monatlichen Intervisionen mit ihnen bemerke ich, dass sie sich immer mehr trauen und in die Thematik reinfühlen.
Was empfindest du als besonders wichtig, wenn Lots:innen gern in dem Bereich tätig sein wollen?
Es ist wichtig, mit beiden Beinen stabil im Leben zu stehen als Therapeut und Mensch. Jede Person entwickelt sich da anders. Lots:innen sollten ihre Stärken, Grenzen und Schwächen kennen. Diese können unterschiedlich sein, aber gut ist, reflektiert zu sein für die eigenen Grenzen. Die eigenen Selbstreflektionsfähigkeiten auszubauen ist wichtig, sich auf externe Sicht einzulassen und mit Kritik umgehen lernen.
Auch braucht es eine Motivation, psychiatrisches Wissen aufzubauen, da muss man sich reinarbeiten. Zusätzlich ist es wichtig, Kommunikationstechniken zu lernen, bewusst zu kommunizieren und nicht Kommunikation einfach geschehen zu lassen.
Danke, Karsten, für den Austausch und deine wichtige Arbeit bei uns!
Ihr wollt mehr über diese Unterstützung erfahren?
Dann schaut doch mal hier:

