Demenz – Körperwahrnehmung stärken
Körperwahrnehmung stärken – Therapiemöglichkeiten bei Menschen mit Demenz
Demenz ist in den letzten Jahren ein immer wichtigeres Thema geworden. In Deutschland leben zurzeit ca. 1,8 Millionen Menschen mit einer dementiellen Erkrankung. Durch die alternde Bevölkerung steigt diese Zahl kontinuierlich an.
Dementielle Erkrankungen gehen mit fortschreitenden Einschränkungen der kognitiven, körperlichen und emotionalen Fähigkeiten einher. Das übergeordnete Ziel der ergotherapeutischen Arbeit mit Menschen mit Demenz ist, den betroffenen Menschen Hilfe anzubieten, um Alltagssituationen besser bewältigen zu können und eine Teilhabe in ihrem Leben zu ermöglichen. Ebenso ist es die Aufgabe, Angehörigen helfend zur Seite zu stehen.
Die Ergotherapie stellt dabei einen zentralen Baustein in der nicht-medikamentösen Behandlung von Menschen mit Demenz dar.
Ein wichtiger Ansatz innerhalb der ergotherapeutischen Behandlung ist der längst mögliche Erhalt der Körperwahrnehmung. Dadurch, dass die Kognition bei Menschen mit Demenz immer mehr abnimmt, ist es umso wichtiger, in der Behandlung bei Menschen mit Demenz die Körperwahrnehmung und die geöffneten Hände in den Fokus zu nehmen. Körperwahrnehmung entsteht durch die Aufnahme von Reizen aus Umwelt und Körper und ihrer Verarbeitung im Gehirn. Durch gezielte ergotherapeutische Therapieangebote (z.B. unterschiedliche Oberflächen, schwere Gegenstände, Bewegungsangebote) kann der Mensch mit Demenz sich wieder spüren und das Gefühl von Sicherheit und Orientierung kann gestärkt werden. Außerdem können durch taktil-kinästhetische Reize die Hände längst möglich geöffnet sein und die Kontrakturprophylaxe wird schon von Beginn der Erkrankung in den Fokus genommen.
Die Ergotherapie bietet Menschen mit Demenz Reize in allen vier Wahrnehmungsbereichen (taktil-kinästhetisch, propriozeptiv, vestibulär und vibratorisch) an. Durch diese Interventionen spüren sich die Menschen mit Demenz wieder. Unruhe und herausforderndes Verhalten kann reduziert werden. Gleichzeitig werden motorische Fähigkeiten längst möglich erhalten und tragen zur Sturzprophylaxe bei.
Die Behandlung von Menschen mit Demenz mit dem Schwerpunkt der Körperwahrnehmung bedeutet für Therapeut:innen ein hohes Maß an Beobachtungsgabe, Flexibilität und Empathie dem Patienten gegenüber. Die Therapieangebote werden kontinuierlich an den aktuellen Zustand und die Tagesform des Patienten angepasst. Auch die Einbeziehung von Angehörigen und Pflegepersonal ist von großer Bedeutung.
Zusammenfassend bietet die ergotherapeutische Behandlung mit dem Fokus auf der Körperwahrnehmung eine wirksame Möglichkeit, Menschen mit Demenz zu begleiten, ihre vorhandenen Ressourcen zu stärken und sie am Alltag teilhaben zu lassen.
Mehr Infos zu Sarah Bretschneider: www.sarahbretschneider.de

Sarah Bretschneider hat die Therapielotsen zu dem Thema Demenz im Lotsenforum besucht.
Neben ihrer Tätigkeit als Ergotherapeutin, ist sie seit 2019 als Dozentin und Referentin im Bereich Demenz und Angehörigenberatung tätig. Mit weiteren Fortbildungen, der Dozententätigkeit und der Arbeit in der ergotherapeutischen Praxis bei Dorothee Danke hat sie sich auf das Krankheitsbild Demenz spezialisiert.


